WortWert

Fragen & Antworten

Was ist die besondere Herausforderung an Sprache in der Pflege?

Die Pflege bewegt sich sprachlich zwischen Medizin und Ökonomie. Deswegen verfügt Pflege über keine eigene Fachsprache. Für viele Pflegehandlungen gibt es weder Fachbegriffe noch konkrete Bezeichnungen. So bekommt Pflege den Charakter einer Tätigkeit, die nebenbei mitläuft. Da erst Sprache Wirklichkeit schafft, bleiben viele Pflegehandlungen im Verborgenen. Gute Sprache macht Pflege sichtbar, zeigt Professionalität und sorgt für Entlastung.

Worte wirken und sorgen gerade im Bereich der Pflege für Atmosphäre. Das Betriebsklima auf den einzelnen Stationen im Krankenhaus, bei der häuslichen Pflege oder in Arztpraxen wird durch einen achtsamen Umgang mit Sprache entscheidend optimiert. Im Programm WORTWERT geht es darum, die spürbare Kraft der Sprache effektiv zu nutzen. WORTWERT entfaltet das volle Potential von Sprache. Auch um neue Perspektiven zu schaffen. Pflegepersonal, PatientInnen und Angehörige profitieren gleichermaßen.

Warum ist WORTWERT wichtig?

WORTWERT schafft ein Bewusstsein für die eigene Sprache. Gerade in der Pflege herrscht oft ein nachlässiger und abwertender Jargon. Unauffällig schleichen sich Wörter wie zum Beispiel einen Patienten „fertigmachen“ ein. Aber was bedeutet es im eigentlichen Wortsinn, jemanden „fertig zu machen“? Im Alltag ist „fertigmachen“ auch ein Synonym für„quälen“,„herabsetzen“ und „demütigen“. Oder nehmen wir den dreieckigen Patientenaufrichter über dem Bett, der umgangssprachlich als „Galgen“ bezeichnet wird. Sofort lädt sich die Atmosphäre positiv auf, wenn ich nicht vom „Galgen“ spreche, sondern die Bezeichnung „Triangelgriff“ nutze.

Was sind die Kennzeichen einer guten Sprache?

Ziel der Kommunikation ist immer die Verständigung. Kommunikation sorgt für Klarheit und Verständnis. Die Pflegekräfte erläutern ihr Handeln und der Patient weiß, was mit ihm geschieht. Findet diese Kommunikation auf einer freundlichen und wertschätzenden Ebene statt, sind Nähe und Vertrauen ein positiver Nebeneffekt. Gute Sprache wirkt eben wie Medizin. Nutze ich die Macht der Worte, entfalten sie ihre volle Wirkungskraft. Worte schaffen Wirklichkeit: Gute Sprache wirkt heilsam, lindernd und beruhigend. Gute Sprache schafft eine gute Atmosphäre. Gerade im Krankenhaus oder in der Arztpraxis ist eine positive Atmosphäre essentiell für Patienten, Pflegende und Angehörige. Das gilt auch im Umgang mit Kollegen: Der Austausch funktioniert, Übergaben werden erleichtert und Konflikten wird vorgebeugt. Stress und Frustration nehmen durch eine gute Sprache kontinuierlich ab.

Gibt es eine praktische Übung, die diese Gedanken illustrieren?

Sprechen Sie folgende Sätze laut vor sich hin. Wiederholen Sie die Sätze 2 bis 3 mal laut.

+ Heute ist ein schlechter Tag.
+ Nichts klappt richtig.
+ Ich bin total kaputt.

Wie fühlen Sie sich jetzt? Wie geht es Ihnen? Fühlen Sie in sich hinein. Geht es Ihnen gut? Haben Sie Kraft? Oder fühlen Sie sich müde und deprimiert?
Das trifft es wohl eher. Zeit, das zu ändern.

Jetzt sprechen Sie folgende Sätze laut vor sich hin. Wiederholen Sie die Sätze 2 bis 3 mal laut.

+ Heute ist ein guter Tag.
+ Ich fühle mich großartig.
+ Ich habe richtig gute Laune.

Spüren Sie den Unterschied?